Sollicitudo rei socialis 40


40 Die Solidarität ist zweifellos eine christliche Tugend. Bereits in der vorangegangenen Darlegung war es möglich, zahlreiche Berührungspunkte zwischen ihr und der Liebe auszumachen, dem Erkennungszeichen der Jünger Christi.

Im Licht des Glaubens strebt die Solidarität danach, sich selbst zu übersteigen, um die spezifisch christlichen Dimensionen des völligen Ungeschuldetseins, der Vergebung und der Versöhnung anzunehmen. Dann ist der Nächste nicht mehr nur ein menschliches Wesen mit seinen Rechten und seiner grundlegenden Gleichheit mit allen, sondern wird das lebendige Abbild Gottes, des Vaters, erlöst durch das Blut Jesu Christi und unter das ständige Wirken des Heiligen Geistes gestellt. Er muß also, auch als Feind, mit derselben Liebe geliebt werden, mit der ihn der Herr liebt, und man muß für ihn zum Opfer bereit sein, auch zum höchsten: "das Leben für die eigenen Brüder geben" (vgl.
Jn 3,16).

Das Bewußtsein von der gemeinsamen Vaterschaft Gottes, von der Brüderlichkeit aller Menschen in Christus, der "Söhne im Sohn", von der Gegenwart und dem lebenschaffenden Wirken des Heiligen Geistes wird dann unserem Blick auf die Welt gleichsam einen neuen Maßstab zu ihrer Interpretation verleihen. Jenseits der menschlichen und naturgegebenen Bindungen, die schon so fest und eng sind, zeigt sich im Licht des Glaubens ein neues Modell der Einheit des Menschengeschlechtes, an dem sich die Solidarität in letzter Konsequenz inspirieren muß. Dieses höchste Modell der Einheit ein Abbild des innersten Lebens Gottes, des Einen in drei Personen, bezeichnen wir Christen mit dem Wort "Gemeinschaft" (communio). Eine solche ausgesprochen christliche Gemeinschaft, die mit der Hilfe des Herrn sorgfältig gepflegt, erweitert und vertieft wird, ist die Seele der Berufung der Kirche, um "Sakrament" im bereits angegebenen Sinne zu sein.

Die Solidarität muß deshalb zur Verwirklichung dieses göttlichen Planes sowohl auf individueller wie auch auf nationaler und internationaler Ebene beitragen. Die "entarteten Mechanismen" und die "Strukturen der Sünde", von denen wir bereits besprochen haben, können nur durch die Übung jener menschlichen und christlichen Solidarität überwunden werden, zu der die Kirche einlädt und die sie unermüdlich fördert. Nur auf diese Weise können sich viele positive Energien zum Vorteil für die Entwicklung und den Frieden voll entfalten.

Viele von der Kirche heiliggesprochene Menschen bieten wunderbare Zeugnisse einer solchen Solidarität und können uns als Beispiel in den gegenwärtigen schwierigen Umständen dienen. Unter allen möchte ich an den hl. Petrus Claver erinnern mit seinem Dienst an den Sklaven von Cartagena de Indias (Kolumbien) oder an den hl. Maximilian Kolbe, der sein Leben für einen ihm unbekannten Gefangenen im Konzentrationslager von Auschwitz-Oswiecim hingegeben hat.


VI. Einige besondere Orientierungen

41 Die Kirche hat zum Problem der Unterentwicklung als solchem keine technischen Lösungen anzubieten, wie bereits Papst Paul VI. in seiner Enzyklika betont hat.69 Sie legt ja keine wirtschaftlichen und politischen Systeme oder Programme vor, noch zieht sie die einen den anderen vor, wenn nur die Würde des Menschen richtig geachtet und gefördert wird und ihr selbst der notwendige Raum gelassen wird, ihren Dienst in der Welt auszuüben.

Aber die Kirche ist auch "erfahren in den Fragen, die den Menschen betreffen",70 und diese Erfahrung veranlaßt sie, ihre religiöse Sendung notwendigerweise auf die verschiedenen Bereiche auszudehnen, in denen Männern und Frauen wirken, um im Einklang mit ihrer Würde als Person das stets begrenzte Glück zu suchen, das in dieser Welt möglich ist.

Nach dem Beispiel meiner Vorgänger muß ich wiederholen, daß nicht auf ein "technisches" Problem reduziert werden darf, was, wie die echte Entwicklung, die Würde des Menschen und der Völker berührt. Durch eine solche Reduzierung würde die Entwicklung ihres wahren Inhalts beraubt; man würde so die Menschen und Völker verraten, denen sie dienen soll.

Aus diesem Grunde hat die Kirche heute wie vor zwanzig Jahren und auch in Zukunft ein Wort zu sagen zur Natur, zu den Bedingungen, den Anforderungen, den Zielen einer echten Entwicklung und ebenso zu den Hindernissen, die sich dieser entgegenstellen. Indem sie das tut, erfüllt die Kirche ihren Verkündigungsauftrag, da sie ihren Hauptbeitrag zur Lösung des drängenden Problems der Entwicklung leistet, wenn sie die Wahrheit über Christus, über sich selbst und über den Menschen verkündet und auf eine konkrete Situation anwendet.71

Als Mittel zur Erreichung dieses Zieles benutzt die Kirche ihre Soziallehre. Um in der heutigen schwierigen Lage eine richtige Problemstellung wie auch die beste Lösung der Fragen zu fördern, kann es eine große Hilfe sein, die "Summe von Leitprinzipien, von Urteilskriterien und von Richtlinien für das konkrete Handeln", die die kirchliche Lehre vorlegt,72 genauer zu kennen und mehr zu verbreiten.

Man wird so unmittelbar bemerken, daß die Fragen, vor denen wir stehen, vor allem moralischer Natur sind und daß weder die Analyse des Entwicklungsproblems an sich noch die Mittel zur Überwindung der gegenwärtigen Schwierigkeiten von einer solchen wesentlichen Dimension absehen dürfen.

Die kirchliche Soziallehre ist kein "dritter Weg" zwischen liberalistischem Kapitalismus und marxistischem Kollektivismus und auch keine mögliche Alternative zu anderen, weniger weit voneinander entfernten Lösungen: Sie ist vielmehr etwas Eigenständiges. Sie ist auch keine Ideologie, sondern die genaue Formulierung der Ergebnisse einer sorgfältigen Reflexion über die komplexen Wirklichkeiten menschlicher Existenz in der Gesellschaft und auf internationaler Ebene, und dies im Licht des Glaubens und der kirchlichen Überlieferung. Ihr Hauptziel ist es, solche Wirklichkeiten zu deuten, wobei sie prüft, ob diese mit den Grundlinien der Lehre des Evangeliums über den Menschen und seine irdische und zugleich transzendente Berufung übereinstimmen oder nicht, um daraufhin dem Verhalten der Christen eine Orientierung zu geben. Sie gehört daher nicht in den Bereich der Ideologie, sondern der Theologie insbesondere der Moraltheologie.

Ihre Soziallehre vorzutragen und zu verbreiten ist Teil des Verkündigungsauftrages der Kirche. Und weil es sich um eine Lehre handelt, die darauf abzielt, das Verhalten der Personen zu beeinflussen, ergibt sich daraus auch "der Einsatz für die Gerechtigkeit" je nach Auftrag, Berufung und Lage des einzelnen.

Die Durchführung des Verkündigungsauftrages im sozialen Bereich, der ein Aspekt der prophetischen Dimension der Kirche ist, umfaßt auch die Offenlegung der Übel und Ungerechtigkeiten. Doch ist die Klarstellung angebracht, daß Verkündigung wichtiger ist als Anklage, und daß diese nicht von jener absehen darf, da sie nur von dort ihre wahre Berechtigung und die Kraft einer höchsten Motivation erhält.



42 Die kirchliche Soziallehre muß sich heute mehr als früher einer internationalen Sicht in der Linie des II. Vatikanischen Konzils,73 der jüngsten Enzykliken74 und besonders derjenigen, an die wir hier gerade erinnern,75 öffnen. Es wird deshalb nicht überflüssig sein, deren Themen und charakteristische Weisungen, die das Lehramt in diesen Jahren aufgegriffen hat, in diesem Licht erneut zu überprüfen und zu vertiefen.

Ich möchte hier auf eines davon besonders hinweisen: auf die Option vorrangige Liebe für die Armen. Dies ist eine Option oder ein besonderer Vorrang in der Weise, wie die christliche Liebe ausgeübt wird; eine solche Option wird von der ganzen Tradition der Kirche bezeugt. Sie bezieht sich auf das Leben eines jeden Christen, insofern er dem Leben Christi nachfolgt; sie gilt aber gleichermaßen für unsere sozialen Verpflichtungen und daher auch für unseren Lebensstil sowie für die entsprechenden Entscheidungen die hinsichtlich des Eigentums und des Gebrauchs der Güter zu treffen sind.

Heute muß angesichts der weltweiten Bedeutung, die die Soziale Frage erlangt hat,76 diese vorrangige Liebe mit den von ihr inspirierten Entscheidungen die unzähligen Scharen von Hungernden, Bettlern, Obdachlosen, Menschen ohne medizinische Hilfe und vor allem ohne Hoffnung auf eine bessere Zukunft umfassen: Es ist unmöglich, die Existenz dieser Menschengruppen nicht zur Kenntnis zu nehmen. An ihnen vorbeizusehen würde bedeuten, daß wir dem "reichen Prasser" gleichen, der so tat, als kenne er den Bettler Lazarus nicht, "der vor seiner Tür lag" (vgl.
Lc 16,19-31).77

Unser tägliches Leben wie auch unsere Entscheidungen in Politik und Wirtschaft müssen von diesen Gegebenheiten geprägt sein. In gleicher Weise dürfen die Verantwortlichen der Nationen und internationalen Einrichtungen, die ja verpflichtet sind, die wahre menschliche Dimension immer an die erste Stelle ihrer Programme zu setzen, nicht vergessen, dem Phänomen der wachsenden Armut Vorrang zu geben. Anstatt abzunehmen, vervielfacht sieh leider die Zahl der Armen, nicht nur in den weniger entwickelten, sondern auch, was ebenso skandalös erscheint, in den stärker entwickelten Ländern.

Man muß sich noch einmal das kennzeichnende Prinzip der christlichen Soziallehre vergegenwärtigen: Die Güter dieser Welt sind ursprünglich für alle bestimmt. 78 Das Recht auf Privateigentum ist gültig und notwendig; es entwertet aber dieses Prinzip nicht: Auf ihm liegt in der Tat eine "soziale Hypothek",79 das heißt, darin erkennt man eine soziale Funktion als innere Qualität, die genau auf dem Prinzip der allgemeinen Bestimmung der Güter gründet und von dorther gerechtfertigt ist. Auch darf man bei diesem Einsatz für die Armen jene besondere Form der Armut nicht vergessen, wie sie der Entzug der Grundrechte der Person, insbesondere des Rechtes auf Religionsfreiheit bis zum Recht auf freie wirtschaftliche Initiative, darstellt.


43 Die aufrüttelnde Sorge für die Armen - die nach einer aufschlußreichen Formulierung "die Armen des Herrn"<80

Das internationale Handelssystem diskriminiert heute oft die Produkte der in den Entwicklungsländern entstehenden Industrien, während es die Produzenten von Rohstoffen entmutigt. Es besteht unter anderem eine Art von internationaler Arbeitsteilung bei der die mit niedrigen Kosten hergestellten Produkte einiger Länder, in denen es keine wirksamen Arbeitsgesetze gibt oder die zu schwach sind, sie anzuwenden, in anderen Teilen der Welt mit beträchtlichen Gewinnen zugunsten der Firmen mit einem solchen Produktionssystem, das keine Grenzen kennt, verkauft werden.

Das Weltwährungs- und -finanzsystem ist heute gekennzeichnet durch eine übergroße Fluktuation der Wechselkurse und Zinssätze zum Schaden der Zahlungsbilanz und der Verschuldungssituation der armen Länder.

Der Technologietransfer bildet heute eines der Hauptprobleme des internationalen Austausches zusammen milden Schäden, die sich daraus ableiten. Nicht selten werden unterentwickelten Ländern notwendige Technologien verwehrt oder nutzlose angeboten.

Die internationalen Organisationen scheinen nach Meinung vieler an einem Punkt ihrer Existenz zu stehen, an dem ihre Funktionsabläufe, die laufenden Kosten und ihre Wirksamkeit eine aufmerksame Prüfung und eventuelle Korrekturen erfordern. Offensichtlich wird ein so heikler Prozeß nicht ohne die Mitarbeit aller verwirklicht werden können. Ersetzt die Überwindung der politischen Rivalitäten sowie den vollständigen Verzicht voraus, diese Organisationen, deren einzige Berechtigung das Gemeinwohl ist, mißbrauchen zu wollen.

Die bestehenden Institutionen und Organisationen haben gut für die Völker gewirkt. Die Menschheit braucht jedoch heute, angesichts einer neuen und schwierigeren Phase ihrer echten Entwicklung, für den Dienst an den Gesellschaften, den Wirtschaften und den Kulturen der ganzen Welt einen höheren Grad internationaler Ordnung.



44 Die Entwicklung erfordert auf seiten der betroffenen Länder selbst vor allem Untemehmungsgeist.81 Jedes Land muß nach seinen eigenen Verantwortlichkeiten handeln, ohne alles von den bessergestellten Ländern zu erhoffen, und in Zusammenarbeit mit den anderen, die in derselben Lage sind. Jedes Land muß den Raum der eigenen Freiheit, soweit wie möglich, entdecken und ausnutzen. Jedes sollte sich die Fähigkeit verschaffen zu Initiativen, die den eigenen sozialen Bedürfnissen entsprechen. Jedes sollte sich auch Rechenschaft geben über die wirklichen Bedürfnisse sowie über die Rechte und die Pflichten, durch die es gehalten ist, solche Bedürfnisse zu befriedigen. Die Entwicklung der Völker setzt ein und verwirklicht sich am besten, indem sich jedes einzelne Volk um die eigene Entwicklung in Zusammenarbeit mit den anderen bemüht.

Wichtig ist ferner, daß gerade auch die Entwicklungsländer die Selbstverwirklichung eines jeden Bürgers durch den Zugang zu einer höheren Kultur und zu einem freien Informationsfluß fördern. Alles, was der Alphabetisierung und der Grundausbildung, die jene vertieft und vervollständigt, nach den Vorschlägen der Enzyklika Populorum Progressio82 dienen kann - Ziele, die in so vielen Teilen der Welt noch weit von ihrer Verwirklichung entfernt sind ist ein unmittelbarer Beitrag zu einer echten Entwicklung.

Um diesen Weg einzuschlagen, müssen diese Länder die eigenen Prioritäten ermitteln und die eigenen Bedürfnisse unter den besonderen Lebensbedingungen der Bevölkerung, in ihrer geographischen Umwelt und bei ihren kulturellen Traditionen erkennen.

Einige Nationen müßten die Nahrungsmittelproduktion steigern, um stets das Notwendige für die Ernährung und zum Leben zur Verfügung zu haben. Es gibt in der heutigen Welt - wo der Hunger so viele Opfer, besonders unter den Kindern, fordert - Beispiele von weniger stark entwickelten Nationen, denen es doch gelungen ist, das Ziel der Selbstversorgung in der Ernährung zu erreichen und sogar Exportländer von Nahrungsmitteln zu werden.

Andere Nationen brauchen die Reform einiger ungerechter Strukturen und insbesondere der eigenen politischen Institutionen, um korrupte, diktatorische und autoritäre Regime durch demokratische Ordnungen der Mitbeteiligung zu ersetzen. Das ist ein Prozeß, von dem wir wünschen, daß er sich ausbreite und verstärke; denn die "Gesundheit" einer politischen Gemeinschaft - insofern sie sich ausdrückt in der freien und verantwortlichen Teilnahme aller Bürger am öffentlichen Leben, in der Rechtssicherheit sowie in der Achtung und Förderung der Menschenrechte - ist die notwendige Bedingung und sichere Garantie der Entwicklung "jedes Menschen und aller Menschen".


45 Das hier Ausgeführte kann nicht verwirklicht werden ohne die Zusammenarbeit aller, besonders der internationalen Gemeinschaft, und im Rahmen einer Solidarität, die alle umfaßt, angefangen bei denen, die am äußersten Rande stehen. Aber gerade auch die Entwicklungsländer haben die Pflicht, Solidarität unter sich selbst und mit den am meisten betroffenen Ländern der Welt zu üben.

Wünschenswert ist zum Beispiel, daß Nationen derselben geographischen Zone Formen der Zusammenarbeit vereinbaren, die sie von mächtigeren Produzenten weniger abhängig machen; daß sie ihre Grenzen für die Produkte der eigenen Zone öffnen und die eventuelle Ergänzungsfähigkeit ihrer Produkte überprüfen; daß sie sich zusammenschließen, um sich Dienstleistungen zu schaffen, die der einzelne allein nicht bereitstellen kann; und daß sie die Zusammenarbeit auf den Währungs- und Finanzbereich ausdehnen.

Die wechselseitige Abhängigkeit ist in vielen dieser Länder bereits eine Wirklichkeit. Sie anzuerkennen, um sie noch wirkungsvoller zu machen, stellt eine Alternative zur übermäßigen Abhängigkeit von den reicheren und mächtigeren Ländern im Sinne der erwünschten Entwicklung dar, ohne sich gegen jemanden zu stellen, sondern nur, um die eigenen Möglichkeiten weitestgehend zu entdecken und auszuschöpfen. Die Entwicklungsländer derselben geographischen Zone können und müssen - wie bereits mit verheißungsvollen Ergebnissen begonnen - neue regionale Organisationen aufbauen, die sich an den Kriterien von Gleichheit, Freiheit und Mitbeteiligung im Verbund der Nationen ausrichten.

Die universale Solidarität erfordert als unerläßliche Voraussetzung die Autonomie und freie Verfügbarkeit über sich selbst, auch im Innern solcher Zusammenschlüsse, wie sie eben genannt wurden. Zugleich aber fordert sie die Bereitschaft, die notwendigen Opfer für das Wohl der ganzen Weltgemeinschaft aufsichzunehmen.



VII. Schluß

46 Völker und Einzelpersonen trachten nach der eigenen Befreiung: Die Suche nach ihrer vollen Entwicklung ist Zeichen ihrer Sehnsucht, die vielfältigen Hindernisse zu überwinden, die sie daran hindern, ein "menschlicheres Leben" zu führen.

In den letzten Jahren, im Zeitraum nach der Veröffentlichung der Enzyklika Populorum Progressio, hat sich in einigen Bereichen der katholischen Kirche, besonders in Lateinamerika, eine neue Weise verbreitet, die Probleme des Elends und der Unterentwicklung anzugehen; sie erhebt die Befreiung zur Grundkategorie und zum ersten Handlungsprinzip. Die positiven Werte, aber auch die Fehlentwicklungen und die Gefahren, die mit dieser Form theologischer Reflexion und Arbeit verbunden sind, hat das kirchliche Lehramt in entsprechender Weise aufgezeigt.83

Es ist richtig hinzuzufügen, daß Streben nach Befreiung von jeder Form der Knechtschaft von Mensch und Gesellschaft ein edles und berechtigtes Anliegen ist. Darauf zielt gerade die Entwicklung hin oder, besser gesagt, die Befreiung und Entwicklung, wenn man die enge Verbindung zwischen diesen beiden Vorgängen berücksichtigt.

Eine rein wirtschaftliche Entwicklung vermag den Menschen nicht zu befreien; im Gegenteil, sie versklavt ihn schließlich nur noch mehr. Eine Entwicklung, die nicht die kulturelle, transzendente und religiöse Dimension der Menschen und der Gesellschaft umfaßt, trägt in dem Maße, wie sie die Existenz solcher Dimensionen nicht anerkennt und die eigenen Ziele und Prioritäten nicht an ihnen ausrichtet, noch weniger zu einer echten Befreiung bei. Die menschliche Person ist nur dann ganz frei, wenn sie zu sich selbst gekommen ist und in der Fülle ihrer Rechte und Pflichten lebt; dasselbe läßt sich von der Gesellschaft als Ganzer sagen.

Das Haupthindernis, das es für eine wahre Befreiung zu überwinden gilt, sind die Sünde und die Strukturen, die sie schrittweise hervorbringt, wenn sie sich vermehrt und ausbreitet.84

Die Freiheit, "zu der Christus uns befreit hat" (vgl.
Ga 5,1), spornt an, uns zu Dienern aller zu bekehren. So konkretisiert sich der Weg der Entwicklung und der Befreiung in der Übung von Solidarität oder in Taten der Liebe und des Dienstes am Nächsten, besonders an den Ärmsten: "Denn wo die Wahrheit und die Liebe fehlen, endet der Befreiungsprozeß im Tod einer Freiheit, die jede Stütze verloren hat".85


47 Im Rahmen der traurigen Erfahrungen der letzten Jahre und des gegenwärtigen vorwiegend negativen Bildes muß die Kirche die Möglichkeit der Überwindung der Hindernisse, die sich der Entwicklung durch ein Zuviel oder ein Zuwenig entgegenstellen, sowie die Hoffnung auf eine echte Befreiung mit ganzer Kraft betonen. Diese Hoffnung und diese Möglichkeit gründen letztlich im Wissen um jene göttliche Verheißung, die dafür garantiert, daß die gegenwärtige Geschichte nicht in sich selbst geschlossen bleibt, sondern offen ist für das Reich Gottes.

Die Kirche hat Vertrauen auch zum Menschen, obwohl sie auch die Bosheit kennt, zu derer fähig ist; denn sie weiß, daß - trotz der Erbsünde und der Sünden, die ein jeder begehen kann - in der menschlichen Person ausreichende Qualitäten und Energien vorhanden sind und es in ihr ein fundamentales "Gutsein" (vgl.
Gn 1,31) gibt, weil der Mensch Ebenbild des Schöpfers ist und im Einfluß des erlösenden Wirkens Christi steht, der ,jedem Menschen nahe ist",86 und weil das mächtige Wirken des Heiligen Geistes "die Erde erfüllt" (Sg 1,7).

Weder Verzweiflung noch Pessimismus oder Passivität sind deshalb zu rechtfertigen. Auch wenn es bitter klingt, muß man sagen, daß man, wie durch Egoismus und übersteigertes Verlangen nach Gewinn und Macht, angesichts der bedrängenden Nöte von ungezählten Menschen im Bereich der Unterentwicklung auch durch Angst, Unentschlossenheit und im Grunde durch Feigheit sündigen kann. Und wir sind alle aufgerufen und sogar verpflichtet, uns der furchtbaren Herausforderung des letzten Jahrzehntes des zweiten Jahrtausends zu stellen; und das auch weil die andrängenden Gefahren alle bedrohen: eine Weltwirtschaftskrise, ein Krieg ohne Grenzen, ohne Sieger und Besiegte. Angesichts einer solchen Bedrohung gilt die Unterscheidung zwischen reichen und armen Personen oder Ländern wenig wenn auch die größere Verantwortung bei dem liegt, der mehr hat und mehr kann.

Aber eine solche Motivation ist weder die einzige noch die hauptsächliche. Auf dem Spiel steht vielmehr die Würde der menschlichen Person, deren Verteidigung und Förderung uns vom Schöpfer anvertraut ist und deren verantwortliche Schuldner in strenger Weise alle Männer und Frauen in jeder Lage der Geschichte sind. Das heutige Weltbild scheint dieser Würde nicht zu entsprechen, wie bereits viele mehr oder weniger klar erkennen. Jeder ist aufgerufen, seinen Platz in diesem friedlichen Kampf einzunehmen, den es mit friedlichen Mitteln zu führen gilt, um die Entwicklung zusammen mit dem Frieden zu erreichen sowie auch die Natur selbst und unsere Umwelt zu retten. Auch die Kirche fühlt sich ganz und gar auf diesen Weg gesandt, auf dessen glücklichen Ausgang sie hofft.

Deshalb möchte ich mich nach dem Beispiel von Papst Paul VI. in seiner Enzyklika Populorum Progressio87 schlicht und demütig an alle wenden, an Männer und Frauen ohne Ausnahme, daß sie, überzeugt vom Ernst des gegenwärtigen Augenblickes und der jeweiligen Verantwortung eines jeden - mit ihrem persönlichen und familiären Lebensstil, durch die Art des Gebrauchs ihrer Güter, durch ihr Mitwirken als Bürger, mit ihrem Beitrag zu den wirtschaftlichen und politischen Entscheidungen und mit ihrem Einsatz auf nationaler und internationaler Ebene - die von Solidarität und vorrangiger Liebe zu den Armen inspirierten Maßnahmen verwirklichen. So fordert es der Augenblick, und so fordert es vor allem die Würde der menschlichen Person, unzerstörbares Ebenbild des Schöpfers, identisch in einem jeden von uns.

In diesem Einsatz müssen die Söhne und Töchter der Kirche Beispiel und Leitbild sein, da sie nach dem Programm, das Jesus selbst in der Synagoge von Nazaret verkündet hat, dazu berufen sind, "den Armen eine gute Nachricht zu bringen, ... den Gefangenen die Entlassung zu verkünden und den Blinden das Augenlicht, ... die Zerschlagenen in Freiheit zu setzen und auszurufen ein Gnadenjahr des Herrn" (Lk 4849). Man muß hierbei die den Laien, Männern und Frauen, vorwiegend übertragene Rolle unterstreichen, wie es bei der kürzlich beendeten Synodenversammlung erneut ausgesprochen wurde. Ihnen kommt es zu, mit christlichem Engagement die irdischen Bereiche zu beleben und sich darin als Zeugen und Mitarbeiter des Friedens und der Gerechtigkeit zu erweisen.

Im besonderen möchte ich mich an alle wenden, die durch das Sakrament der Taufe und dasselbe Glaubensbekenntnis an einer wahren, wenn auch noch unvollkommenen, Gemeinschaft mit uns teilhaben. Ich bin sicher, daß die Sorge der dieses Schreiben Ausdruck gibt, wie auch die Motivationen, die es beseelen, ihnen vertraut sein werden, weil sie vom Evangelium Jesu Christi inspiriert sind. Wir können darin eine neue Einladung finden, einstimmig Zeugnis zu geben von unseren gemeinsamen Überzeugungen über die Würde des Menschen, der von Gott erschaffen, von Christus erlöst, vom Heiligen Geist geheiligt und in diese Welt gerufen ist, um hier ein Leben zu führen, das dieser Würde entspricht.

Ich richte diesen Aufruf in gleicher Weise an jene, die mit uns das Erbe Abrahams, "unseres Vaters im Glauben" (vgl.
Rm 4,11 f.),88 und die Tradition des Alten Testamentes teilen, die Juden also, sowie an jene, die wie wir an den gerechten und barmherzigen Gott glauben, die Moslems, und richte ihn ebenso an alle Anhänger der großen Weltreligionen.

Die Begegnung vom 27. Oktober des vergangenen Jahres in Assisi, der Stadt des hl. Franziskus, um zu beten und sich für den Frieden zu engagieren - ein jeder in Treue zu seinem eigenen religiösen Bekenntnis -, hat allen gezeigt, wie sehr der Friede und, als seine notwendige Bedingung, die Entwicklung eines "jeden Menschen und aller Menschen" auch ein religiöse Frage sind und wie die volle Verwirklichung beider von der Treue zu unserer Berufung als gläubige Männer und Frauen abhängt, weil sie eben zuallererst von Gott abhängt.


48 Die Kirche weiß wohl, daß kein zeitliches Werk mit dem Reich Gottes gleichzusetzen ist, sondern alle Werke nur ein Spiegelbild und in einem gewissen Sinne eine Vorwegnahme der Herrlichkeit jenes Reiches darstellen, das wir am Ende der Geschichte erwarten, wenn der Herr wiederkommt. Aber diese Erwartung dürfte niemals eine Entschuldigung dafür sein, sich nicht für die Menschen in ihrer konkreten persönlichen Lage und ihrem gesellschaftlichen Leben zu interessieren, und dies auf nationaler wie auf internationaler Ebene; denn diese beeinflußt jene, vor allem heute.

Nichts von dem, was man durch die solidarische Anstrengung aller und mit Hilfe der Gnade Gottes in einem bestimmten Augenblick der Geschichte verwirklichen kann und muß - auch wenn es unvollkommen und nur vorläufig ist -, um das Leben der Menschen "menschlicher" zu gestalten, wird verloren oder vergeblich sein. Das lehrt uns das II. Vatikanische Konzil in einem wunderbaren Text der Pastoralkonstitution Gaudium et Spes: "Alle guten Erträgnisse der Natur und unserer Bemühungen nämlich, die Güter menschlicher Würde, brüderlicher Gemeinschaft und der Freiheit müssen im Geist des Herrn und gemäß seinem Gebot auf Erden gemehrt werden; dann werden wir sie wiederfinden, gereinigt von jedem Makel, lichtvoll und verklärt, dann nämlich, wenn Christus dem Vater "ein ewiges, allumfassendes Reich übergeben wird ...". Hier auf Erden ist das Reich schon im Geheimnis da".89

Das Gottesreich wird heute besonders gegenwärtig in der Feier des Sakramentes der heiligen Eucharistie, des Opfers des Herrn. In dieser Feier werden die "Früchte der Erde und der menschlichen Arbeit" - Brot und Wein - auf geheimnisvolle, aber reale und substantielle Weise durch das Wirken des Heiligen Geistes und die Worte des Priesters in den Leib und das Blut des Herrn Jesus Christus verwandelt, des Sohnes Gottes und des Sohnes Marias, durch den das Reich des Vaters mitten unter uns gegenwärtig geworden ist. Die Früchte dieser Welt und das Werk unserer Hände - Brot und Wein - dienen dem Kommen des endgültigen Reiches, da der Herr sie durch seinen Geist in seine Person aufnimmt, um sich selbst und uns mit ihm in der Erneuerung seines einzigen Opfers dem Vater darzubieten, welches das Gottesreich vorwegnimmt und sein endgültiges Kommen ankündigt.

Durch die Eucharistie als Sakrament und Opfer vereinigt uni so der Herr mit sich selbst und untereinander mit einem stärkeren Band als jede rein natürliche Einigung und, so geeint, sendet er uns in die ganze Welt, um mit Glauben und Werken von Gottes Liebe Zeugnis zu geben, wodurch er das Kommen seines Reiches vorbereitet und, wenn auch in den Schatten der Zeit, vorwegnimmt.

Wir alle, die an der hl. Eucharistie teilnehmen, sind dazu aufgerufen, durch dieses Sakrament den tieferen Sinn unseres Handelns in der Welt für Entwicklung und Frieden zu entdecken und hier die Kräfte zu empfangen, um uns immer großherziger nach dem Beispiel Christi, der in diesem Sakrament "stets das Leben für seine Freunde gibt" (vgl.
Jn 15,13), einzusetzen. Unser persönliches Engagement wird wie dasjenige Christi und nach dem Maß seiner Einheit mit dem seinigen nicht nutzlos, sondern ganz gewiß fruchtbar sein.


49 In diesem Marianischen Jahr; das ich ausgerufen habe, damit die katholischen Gläubigen immer mehr auf Maria schauen, die uns auf der Pilgerschaft des Glaubens vorangeht90 und mit mütterlicher Sorge bei ihrem Sohn, unserem Erlöser, für uns eintritt, möchte ich ihr und ihrer Fürsprache den schwierigen Augenblick der heutigen Welt anvertrauen sowie die Anstrengungen, die man oft unter großen Opfern macht und noch machen wird, um zu einer wahren Entwicklung der Völker beizutragen, wie sie von meinem Vorgänger Papst Paul VI. vorgestellt und verkündet worden ist.

Wie die christliche Frömmigkeit es immer getan hat, empfehlen wir der Allerseligsten Jungfrau die schwierigen Situationen der einzelnen, damit sie diese ihrem Sohne vorlege und von ihm erreiche, daß sie erleichtert und verändert werden. Aber ebenso unterbreiten wir ihr auch die gesellschaftlichen Situationen und die internationale Krise selbst mit ihren beunruhigenden Aspekten von Elend, Arbeitslosigkeit, Ernährungsmangel, Rüstungswettlauf, Mißachtung der Menschenrechte, Situationen oder Gefahren von begrenzten oder totalen Konflikten. All dies wollen wir mit kindlichem Vertrauen vor ihre "barmherzigen Augen" stellen, wobei wir noch einmal in Glaube und Hoffnung die alte marianische Antiphon beten: "Heilige Gottesmutter, verschmähe nicht unser Gebet in unseren Nöten, sondern errette uns jederzeit aus allen Gefahren, o du glorwürdige und gebenedeite Jungfrau".

Die allerseligste Jungfrau Maria, unsere Mutter und Königin, ist jene, die sich an ihren Sohn wendet und sagt: "Sie haben keinen Wein mehr" (
Jn 2,3), und sie ist es auch, die Gott, den Vater, preist, weil "er die Mächtigen vom Thron stürzt und die Niedrigen erhöht, die Hungernden mit seinen Gaben sättigt und die Reichen leer ausgehen läßt" (Lc 1,52-53). Ihre mütterliche Sorge gilt den persönlichen und sozialen Aspekten des menschlichen Lebens auf der Erde.91

Vor der Allerheiligsten Dreifaltigkeit vertraue ich Maria alles an, was ich in dieser Enzyklika dargelegt habe und lade alle ein, darüber nachzudenken und sich mit Taten für die Förderung der wahren Entwicklung der Völker einzusetzen, wie es auf so deutliche Weise das Tagesgebet der gleichnamigen Messe ausdrückt: "Allmächtiger Gott, du hast die vielen Völker durch gemeinsamen Ursprung miteinander verbunden und willst, daß sie eine Menschheitsfamilie bilden. Die Güter der Erde hast du für alle bereitgestellt. Gib, daß die Menschen einander achten und lieben und dem Verlangen ihrer Brüder nach Gerechtigkeit und Fortschritt entgegenkommen. Hilf jedem, seine Anlagen recht zu entfalten. Laß uns alle Trennung nach Rasse, Volk und Stand überwinden, damit in der menschlichen Gesellschaft Recht und Gerechtigkeit herrschen".92

Das erbitte ich zum Schluß im Namen aller Brüder und Schwestern, denen ich zum Zeichen des Grußes und Gter Wünsche meinen besonderen Segen erteile.

Gegeben zu Rom, bei St. Peter, am 30. Dezember 1987, im 10. Jahr meines Pontifikates.



1 LEO XIII., Enzyklika Rettern Novarum (15. Mai 1891): Leonis XIII. PM. Acta, XI (Rm 1892) 97-144.

2 PIUS XI., Enzyklika Quadragesimo Anno (15. Mai 1931): AAS 23 (1931) 177-228; JOHANNES XXIII., Enzyklika Mater et Magistra (15. Mai 1961): AAS 53 (1961) 401-464; PAUL VI., Apost. Schreiben Octogesima Adveniens (14. Mai 1971): AAS 63 (1971) 401-441; JOHANNES PAUL II., Enzyklika Laborem Exercens (14. September 1981): AAS 73 (1981) 577-647. Auch Pius XII. bat zum fünfzigsten Jahrestag der Enzyklika Leos XIII. eine Radiobotschaft (1. Juni 1941) verlesen: AAS 33 (1941) 195-205.

3 Vgl. II. VATIKANISCHES KONZIL, Dogm. Konst. über die göttliche Offenbarung Dei Verbum, 4.

4 Paul VI., Enzyklika Populorum Progressio (26. März 1967): AÄS 59 (1967) 257-299.

5 Vgl. L'Osservatore Romano, 25. März 1987.

6 Vgl. Kongr. für die Glaubenslehre, Instruktion über die christliche Freiheit und die Befreiung Libertatis Conscientia (22. März 1986), 72: AAS 79 (1987)586; PAUL VI., Apost. Schreiben Octogesima Adveniens (14. Mai 1971), 4: A/S 63 (1971) 403 f.

7 Vgl. Enzyklika Redemptoris Mater (25. März 1987), 3: AAS 79 (1987) 363 f.; Homilie in der Messe am 1. Januar 1987: L'Osservatore Romano, 2. Januar 1987.

8 Die Enzyklika Populorum Progressio zitiert neunzehnmal die Dokumente des II. Vatikanischen Konzils; allein sechzehn Zitationen beziehen sich auf die Pastoralkonst., über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et Spes.

9 Gaudium. et Spes, 1.

10 Ebd., 4: vgl. Enzyklika Populorum Progressio, 13: a.a.O., S. 263-264.

11 Vgl. Gaudium et Spes. 3: Enzyklika Populorum Progressio, 13: a.a.O., S. 264.

12 Vgl. Gen/mm et Spes, 63; Enzyklika Populorum Progressio, 9: a.a.O., S. 261 f.

13 Vgl. Gaudium et Spes, 69; Enzyklika Populorum Progressio, 41: a.a.O., S. 269.

14 Vgl. Gaudium et Spes, 57; Enzyklika Populorum Progressio, 41: a.a.O., S. 277.

15 Vgl. Gaudium et Spes, 19; Enzyklika Populorum Progressio, 41: a.a.O., S. 277 f.

16 Vgl. Gaudium et Spes 86; Enzyklika Populorum Progressio, 48: a.a.O., S. 281.

17 Vgl. Gaudium et Spes, 69; Enzyklika Populorum Progressio, 14-21: a.a.O., S. 264-268 ,

18 Vgl. den Titel der Enzyklika Populorum Progressio: a.a.O., S. 257.

19 Die Enzyklika Rerurn Novarum Leos XIII. hat als Hauptthema "Die Lage der Arbeiter": Leonis XIII. PM. Acta, XI (Rm 1892) 97.

20 Vgl. Kongr. für die Glaubenslehre, Instruktion über die christliche Freiheit und die Befreiung Libertatis Conscientia (22. März 1986), 72:445 79(1987>586; PAUL VI., Apost. Schreiben Octogesima Adveniens (14. Mai 971), 4: AAS 63 (1971) 403 f.

21 Vgl. Enzyklika Mater er Magistra (15. Mai 1961): AAS 53 (1961) 440.

22 Gaudium et Spes, 63.

23 Enzyklika Populorum Progressio, 3: a.a.O., S.258; vgl. auch ebd., 9: a.a.O., S. 261.

24 Vgl. ebd., 3: a.a.O., S. 258.

25 Ebd., 48: a.a.O., S. 281.

26 Vgl. ebd., 14: a.a.O., S.264: "Die Entwicklung beschränkt sieh nicht auf einfaches wirtschaftliches Wachstum. Wahre Entwicklung muß umfassend sein, muß sich auf die Förderung jedes Menschen und des ganzen Menschen beziehen".

27 Ebd., 87: a.a.O., S.299.

28 Vgl. ebd., 53: a.a.O., S.283.

29 Vgl. ebd., 76: a.a.O. S. 295.

30 Die Dekaden meinen die Jahre 1960-1970 und 1970-1980; wir befinden uns jetzt in der dritten Dekade (1980-1990).

31 Der Begriff "Vierte Welt" wird nicht nur gelegentlich für die sogenannten weniger fortgeschrittenen Länder, sondern auch und vor allem für die Gebiete großer und äußerster Armut der Länder mit mittlerem und hohem Einkommen verwandt.

32 II. VATIKANISCHES KONZIL, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, 1.

33 Vgl. Enzyklika Populorum Progressio, 33: a.a.O., S. 273.

34 Bekanntlich hat sich der Heilige Stuhl der Feier dieses Internationalen Jahres angeschlossen mit einem besonderen Dokument der Päpstlichen Kommission Justitia er Pax: Was hast du mir deinem obdachlosen Bruder gemacht? - Die Kirche zur Wohnungskrise (27. Dezember 1987).

35 Vgl. PAUL VI., Apost. Schreiben Octogesima Adveniens (14. Mai 1971), 8-9: AAS 63 (1971) 406-408.

36 Die kürzliche Veröffentlichung der Vereinten Nationen Etude sur l'Economie mondiale 1987 enthält die letzten diesbezüglichen Daten (vgl. S. 8-9). Der Prozentsatz der Arbeitslosen in den entwickelten Ländern mit Marktwirtschaft ist von 3% der Arbeitskräfte im Jahre 1970 auf 8% im Jahre 1986 gestiegen. Sie betragen jetzt 29 Millionen.

37 Enzyklika Laborem Exercens (14. September 1981), 18: AAS 73 (1981) 624-625.

38 Im Dienst der menschlichen Gemeinschaft: Ein ethischer Ansatz zur Überwindung der internationalen Schuldenkrise (27. Dezember 1986).

39 Enzyklika Populorum Progressio, 54. a.a.O., S. 283 f.: "Die Entwicklungsländer werden dann nicht mehr Gefahr laufen, von Schulden erdrückt zu werden, deren Abzahlung ihren ganzen Gewinn verschlingt. Zinsen und Laufzeit der Anleihen können so geregelt werden, daß es für die einen wie die anderen erträglich ist, indem man zwischen den verlorenen Darlehen, den nicht oder nur wenig verzinsten Anleihen und der Laufzeit der Amortisation einen Ausgleich schafft".

40 Vgl. die "Einführung" zum Dokument Im Dienst der menschlichen Gemeinschaft: Ein ethischer Ansatz zur Überwindung der internationalen Schuldenkrise (27. Dezember 1986).

41 Vgl. Enzyklika Populorum Progressio 53: a.a.O., S. 283.

42 Im Dienst der menschlichen Gemeinschaft: Ein ethischer Ansatz zur Überwindung der internationalen Schuldenkrise (27. Dezember 1986), III.2.1.

43 Vgl. Enzyklika Populorum Progressio, 20-21: a.a.O., S. 267 f.

44 Homilie bei Drogheda, Irland (29. September 1979), S: AAS 71 (1979), II, 1079.

45 Vgl. Enzyklika Populorum Progressio, 37: a.a.O., S.275 f.

46 Vgl. Apost. Schreiben Familiaris Consortio (22November1981), besonders 30: AAS 74 (1982) 115-117.

47 Vgl. Droits de l'homme. Recueil d'instruments internationaux, Nations Unies, New York 1983. JOHANNES PAUL II., Enzyklika Redemptor Hominis (4. März 1979), 17: AAS 71 (1979) 296.

48 Vgl. II. VATIKANISCHES KONZIL, Pastoralkonst. über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et Spes, 78: PAUL VI., Enzyklika Populorum Progressio 76: a.a.O., S. 294 f.: "Das Elend bekämpfen und gegen die Ungerechtigkeit angehen, heißt, zusammen mit der Verbesserung der Lebensverhältnisse den menschlichen und geistigen Fortschritt aller und somit das Gemeinwohl der Menschheit zu fördern. Den Frieden schafft man Tag für Tag, in der Beobachtung einer von Gott gewollten Ordnung, die eine vollkommenere Gerechtigkeit unter den Menschen herbeiführt".

49 Vgl. Apost. Schreiben Familiaris Consortio (22. November 1981), 6: AAS 74 (1982) 88: "Die Geschichte ist nicht einfach ein notwendiger Fortschritt zum Besseren, sondern vielmehr ein Ereignis der Freiheit, ja ein Kampf zwischen Freiheiten".

50 Aus diesem Grunde wurde es vorgezogen, im Text dieser Enzyklika statt des Wortes "Fortschritt das Wort "Entwicklung" zu gebrauchen, wobei aber versucht wurde, dem Wort "Entwicklung" einen volleren Sinn zu geben.

51 Enzyklika Populorum Progressio, 19: a.a.O., S. 266: "Mehr haben ist also weder für die Völker noch für die einzelnen das letzte Ziel. Jedes Wachstum ist ambivalent. Das ausschließliche Streben nach Besitz wird so ein Hindernis für das Wachsen im Sein und steht im Gegensatz zu seiner wahren Größe: Für die Nationen wie für die einzelnen ist die Habsucht das deutlichste Zeichen für moralische Unterentwicklung": vgl. auch von PAUL VI., Apost. Schreiben Octogesima Adveniens (14. Mai 1971), 8: AAS 63 (1971) 407 f.

52 Vgl. Pastoralkonst. über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et Spes, 3.5; PAUL VI., Ansprache an das Diplomatische Korps (7. Januar 1965): AAS 57 (1965) 232.

53 Vgl. Enzyklika Populorum Progressio, 20-21: a.a.O., S. 267 f.

54 Vgl. Enzyklika Laborem Exercens (14. September 1931), 4: AAS 73 (1981), 584 f.: PAUL VI., Enzyklika Populorum Progressio. 15: a.a.O., S. 265.

55 Enzyklika Populorum Progressio, 42: a.a.O., S. 278.

56 Vgl. Exsultet, Missale Romanum, ed. typ. altera 1975, S. 272: "O wahrhaft heilbringende Sünde des Adam, du wurdest uns zum Segen, da Christi Tod dich vernichtet hat. O glückliche Schuld, welch großen Erlöser hast du gefunden!"

57 II. VATIKANISCHES KONZIL, Dogmatische Konstitution über die Kirche Lumen Gentium 1.

58 Vgl. z.B. BASILIUS d. Gr., Regulae fusius tractatae, interrogatio XXXVII, 1-2. PG, 31, 1009-1012; THEODORET VON KYROS, De Providentia, Oratio VII: PG 665-686; AUGUSTINIUS, De Civitate Dei, XIX, 17: CCL 48, 683-685.

59 Vgl. z.B. JOHANNES CHRYSOSTOMUS. In Evang. S. Mathaei 50, 3-4: PG 58, 508-510; AMBROSIUS, De Officiis Ministrorurn, lib. II, XXVIII, 136-140: PL 16, 139-141; POSIDIUS, Vita S. Augustini Episcopi, XXIV: PL 32, 53 a.

60 Enzyklika Populorum Progressio, 23: a.a.O.: S. 268: "Wer aber die Gter der Welt hat und seinen Bruder Not leiden sieht und sein Herz gegen ihn verschließt, wie kann da die Liebe Gottes in ihm bleiben?" (1Jn 3,17). Es ist bekannt, mit welcher Entschiedenheit die Kirchenväter gelehrt haben, welche Haltung die Besitzenden gegenüber den Notleidenden einzunehmen haben. In der vorausgehenden Nummer hatte der Papst die Nr.69 der Pastoralkonstitution Gaudium et Spes das II. Vatikanischen Konzil zitiert.

61 Vgl. Enzyklika Populorum Progressio, 47: a.a.O., S. 280: "...eine Welt, wo die Freiheit nicht ein leeres Wort ist, wo der arme Lazarus an derselben Tafel mit dem Reichen sitzen kann".

62 Vgl. ebd., 47: a.a.O., S.28o: "Es geht darum, eine Welt zu bauen wo jeder Mensch ohne Unter schied der Rasse, der Religion, der Abstammung ein volles menschliches Leben fuhren kann frei von Versklavung von seiten der Menschen..."; vgl. auch II. Vatikanisches Konzil Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et Spes, 29. Diese fundamentale Gleichheit ist eines der Grundmotive, mit dem sich die Kirche immer jeder Form von Rassismus widersetzt hat.

63 Vgl. Homilie in Val Visdende, Norditalien (12. Juli 1987), 5: L'Osservatore Romano. 13-14. Juli 1987; PAUL VI., Apostolisches Schreiben Octogesima Adveniens (14. Mai 1971) 21: AAS 63 (1971) 416 f.

64 Vgl. II. VATIKANISCHES KONZIL, Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et Spes, 25.

65 Apostolisches Schreiben Reconciliatio et Paenitentia (2. Dezember1984), 16: "Wenn die Kirche von Situationen der Sünde spricht oder bestimmte Verhältnisse und gewisse kollektive Verhaltensweisen von mehr oder weniger breiten sozialen Gruppen oder sogar von ganzen Nationen und Blöcken von Staaten als soziale Sünden anklagt, dann weiß sie und betont es auch, daß solche Fälle von sozialer Sünde die Frucht, die Anhäufung und die Zusammenballung vieler personaler Sünden sind. Es handelt sich dabei um sehr persönliche Sünden dessen, der Unrecht erzeugt, begünstigt oder ausnutzt; der, obgleich er etwas tun könnte, um gewisse soziale Übel zu vermeiden, zu beseitigen oder wenigstens zu begrenzen, es aus Trägheit oder Angst, aus komplizenhaften Schweigen oder geheimer Beteiligung oder aus Gleichgültigkeit doch unterläßt; der Zuflucht sucht in der behaupteten Unmöglichkeit, die Welt zu verändern,und der sich den Mühen und Opfern entziehen will, indem er vorgebliche Gründe höherer Ordnung anführt. Die wirkliche Verantwortung liegt also bei den Personen. Eine Situation ebenso wie eine Institution, eine Struktur, eine Gesellschaft - ist an sich kein Subjekt moralischer Akte; deshalb kann sie in sich selbst nicht moralisch gut oder schlecht sein: AAS 77 (1985) 217.

66 Enzyklika Populorum Progressio, 42: a.a.O., S.278.

67 Vgl. Liturgia Horarum, Feria III Hebdomadae IIIac Temporis per annum, Preces ad Vesperas.

68 Enzyklika Populorum Progressio., 87: a.a.O., S. 299.

69 Vgl. ebd., 13; 81: a.a.O., S. 263 f; 296 f.

70 Vgl. ebd., 13: a.a.O., S. 263.

71 Vgl. Eröffnungsrede bei der Dritten Generalkonferenz der Lateinamerikanischen Bischöfe (28Januar 1979): AAS 71 (1979)189-196.

72 Kongregation für die Glaubenslehre, Instruktion über die christliche Freiheit und die Befreiung Libertatis Conscientia (22. März 1986), 72: AAS 79 (1987) 586; PAUL VI., Apostolisches Schreiben Octogesima Adveniens (14. März 1971). 4: AAS 63 (1971) 403 f.

73 Vgl. Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et Spes, Teil II, 5. Kapitel, 2. Abschnitt: "Der Aufbau der internationalen Gemeinschaft" (83-90).

74 Vgl. JOHANNES XXIII., Enzyklika Mater et Magistra (15. Mai 1961):Als 53(1961)440; Enzyklika Pacem in Terris (11-April 1963), Teil IV: AAS 55 (1963) 291-296; PAUL VI., Apostolisches Schreiben Octogesima Adveniens (14. Mai 1971), 2-4: ÄAS 63 (1971) 402-404.

75 Vgl. Enzyklika Populorum Progressio, 3; 9: a.a.O., 5.258; 261.

76 Ebd., 3: a.a.O., S. 258.

77 Enzyklika Populorum Progressio, 47: a.a.O., 8.280; Kongregation für die Glaubenslehre, Instruktion über die christliche Freiheit und die Befreiung Libertatis Conscientia (22. März1986), 68:445 19 (1987) 583 f.

78 Vgl. II. VATIKANISCHES KONZIL, Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et Spes, 69; PAUL VI., Enzyklika Populorum Progressio, 22; a.a.O., S. 268; Kongregation für die Glaubenslehre, Instruktion über die christliche Freiheit und die Befreiung Libertatis Conscientia (22. März 1986), 90: AAS 79 (1987) 594; THOMAS VON AQUIN, Summa Theol. IIa IIae, q. 66, art. 2.

79 Vgl. Eröffnungsrede bei der Dritten Generalkonferenz der Lateinamerikanischen Bischöfe (28. Januar 1979): AAS 71(1979) 189-196; Ansprache an eine Gruppe von polnischen Bischöfen zum Adlimina-Besuch (17. Dezember 1987), 6: L'Osservatore Romano, 18. Dezember 1987.

80 Denn der Herr wollte sich mit ihnen identifizieren (Mt 25,31-46) und nahm sich in besonderer Weise ihrer an (vgl. Ps 12,6 Lc 1,52 f. ).

81 Enzyklika Populorum Progressio, 55: a.a.O., S. 284: "Aber gerade diesen Männern und Frauen muß man helfen; sie muß man überzeugen, daß sie selbst ihr Vorankommen in die Hand nehmen und schrittweise die Mittel dazu erwerben müssen"; vgl. Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et Spes, 86.

82 Enzyklika Populorum Progressio, 35: a.a.O., S. 274: "Deshalb ist die Grundausbildung die erste Stufe eines Entwicklungsplanes".

83 Vgl. Kongregation für die Glaubenslehre, Instruktion über einige Aspekte der "Theologie der Befreiung" Libertatis Nuntius (6. August 1984), Einführung: AAS 76 (1984) 876 f.

84 Vgl. Apostolisches Schreiben Reconciliatio et Paenitentia (2. Dezember 1984), 16: AAS 77 (1985) 213-217; Kongregation für die Glaubenslehre, Instruktion über die christliche Freiheit und die Befreiung Libertatis Conscientia (22. März 1986), 38; 42: AAS 79 (1987) 569; 571.

85 Kongregation für die Glaubenslehre, Instruktion über die christliche Freiheit und die Befreiung Libertatis Conscientia (22. März 1986), 24: AAS 79 (1987) 564.

86 Vgl. Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et Spes, 22; JOHANNES PAUL II., Enzyklika Redemptor Hominis (4. März 1979), 8: AAS 71 (1979) 272.

87 Enzyklika Populorum Progressio, 5: a.a.O., S.259: "Wir sind der Meinung, daß sie (die Päpstliche Kommission Justitia et Pax) mit Unseren katholischen Söhnen und den christlichen Brüdern alle Menschen guten Willen vereinen kann und soll": vgl. auch 81-83, 87: a.a.O. S. 296-298; 299

88 Vgl. II. VATIKANISCHES KONZIL, Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen Nostra Aetate, 4.

89 Gaudium et Spes. 39.

90 Vgl. II. VATIKANISCHES KONZIL, Dogmatische Konstitution über die Kirche Lumen Gentium, 58: JOHANNES PAUL II., Enzyklika Redemptoris Mater (25. März 1987), 5-6: AAS 79 (1987) 365-367.

91 Vgl. PAUL VI., Apostolisches Schreiben Marialis Cultus (2. Februar 1974), 37:AAS 66 (1974) 148 f.; JOHANNES PAUL II., Homilie im Heiligtum Unserer Lieben Frau von Zapopan, Mexiko (30. Januar 1979), 4: AAS 77 (1979) 230.

92 Tagesgebet der Messe "Für den Fortschritt der Völker": Missale Romanum ed. tip. altera (1975) 820.



Sollicitudo rei socialis 40