Die neue Leichtgläubigkeit bezüglich religiöser Phänomene und der Magie
Prof. Jose Vidamor B. Yu, Manila
Gegen Ende des vergangenen Jahrtausends sehnte sich der Mensch danach, vor seinen Problemen und der Unordnung dieser Welt durch eine neue Philosophie, eine neue Spiritualität und einen neuen Lebensstil zu flüchten. Am Anfang des neuen Milleniums hat sich eine neue Art entwickelt, den Glauben zu begreifen und zu praktizieren, welche auf Unkompliziertheit und Pragmatismus setzt. Manche haben die vorchristlichen Rituale wieder aufgegriffen. Ein allgemein verbreitetes Verlangen nach Transzendenz wird spürbar. Die Menschen sehnen sich danach, wieder eins mit den Kräften der Natur zu sein, die Geheimnisse wiederzuentdecken, die sich hinter der sichtbaren Welt verbergen, sowie die Macht außerirdischer Wesen zu schöpfen, an deren Existenz viele glauben. Die Menschen suchen nach einer Spiritualität, die sich von den traditionellen Religionen unterscheidet. Diese neue Spiritualität stützt sich manchmal auf den Glauben an die Magie. Ein Sammelsurium von Lehren und Bewegungen hat viele Menschen weg vom christlichen Glauben zur Magie getrieben. Die Magie und alle damit einhergehenden Phänomene beziehen sich in der Regel auf den Kontakt mit der Natur.
Neognostische Ideen: die Wiederentdeckung der Macht des Geistes
Der Neognostizismus ist ein neue religiöse Tendenz. Die Bewegung des Gnostizismus stellte eine der ersten Bedrohungen für die Verbreitung des Christentums in der Urkirche dar. Als die Kirche nach der Reinheit der Doktrin und des Glaubens strebte, wurde der Gnostizismus immer hinderlicher für die christliche Spiritualität: Der Gnostizismus glaubt, die heiligen Schriften enthielten verborgene Geheimnisse und Kräfte, welche nur von wenigen Auserwählten entschlüsselt werden könnten, die über gewisse geistige Fähigkeiten verfügen. Das Streben nach einem höheren Wissen und die Wiederentdeckung des Esoterismus gehören zu den Grundpfeilern der New-Age-Bewegung.
Die Wiederentdeckung des Gnostizimus wurde zu einer wahrhaftigen religiösen Bewegung, welche gewisse Rituale aufwies, die „dem menschlichen Willen durch vermeintlich geheimnisvolle kosmische Kräfte mehr Macht verleihen sollten." (vgl. Norberto Rivera Cardinal Carrrera, A Call to Vigilance, 1996, Nr.17) Johannes Paul II. schreibt, man erlebe eine Rückkehr der alten gnostischen Ideen unter dem Deckmantel des sogenannten New Age: „Wir dürfen uns keine Illusionen darüber machen, dies könne zu einer religiösen Erneuerung führen. Es handelt sich hierbei nur um eine neue Art des Gnostizismus – dieser Geisteseinstellung, welche im Namen einer tieferen Kenntnis Gottes Sein Wort falsch interpretiert und es durch rein menschliche Worte ersetzt. Der Gnostizismus hat das Christentum niemals verlassen. Ganz in Gegenteil hat er immer Seite an Seite mit dem Christentum gelebt, und zwar manchmal in Form einer philosophischen Bewegung, aber oft mit den Eigenschaften einer Religion oder Parareligion in krassem – wenn nicht sogar offenbarem – Widerspruch zu alldem, was wesentlich christlich ist." (vgl. Die Schwelle der Hoffnung überschreiten)
Das New Age betont die Rolle der Intuition bei dem Versuch, die Geheimnisse, das Unbekannte und die unentfalteten Kräfte des menschlichen Gehirns auszuloten. Manche gehen auf Wandlungsseminare, auf welchen Hellseherei, Telepathie, psychisches Heilen, Psychometrie, außerkörperliche und übersinnliche Erfahrungen, Hypnotismus, Gehirntechnologien, Psychokinese, Meditation, unterschwellige Programmierung, Bewußtseinserweiterung, astrale Projektionen und weitere okkulte Praktiken angeboten werden. Edgar Cayce schreibt, wenn der Mensch sich mit den tieferen Schichten des Bewußtseins in Einklang bringe, könne er mit Geistern, Engeln, Leitgeistern, zum Himmel aufgestiegenen Meistern und Erzengeln in Verbindung treten. Ein Mensch müsse nämlich die Existenz der göttlichen Energien des Kosmos kennelernen. Ein kosmisches Wissen und eine esoterische Erfahrung der Gesetze des Kosmos werde den Menschen in die Lage versetzen, sein Bewusstsein durch einen Erweckungsprozeß graduell zu wandeln und damit seine echte göttliche Natur zu verwirklichen.
Neuheidnischer Glaube: die Neuauslegung alter heidnischer Praktiken
Im Rahmen der Diskussion über das New Age wurde der Neopaganismus als ein typisches Beispiel dafür erwähnt, dass sich die New-Age-Spiritualität als eine Reaktion auf die traditionellen - besonders jüdisch-christlichen - Religionen versteht. Beim Neopaganismus drückt sich dies durch den Rückgriff auf alte vorchristliche Rituale aus. Der Kern des Neopaganismus ist die Kritik am Christentum. Die Neuheiden glauben, jede Religion oder religiöse Praxis vor dem Christentum sei echter und wahrer als das Christentum gewesen. Das Dokument zum New Age vom Päpstlichen Rat für die Kultur und dem Päpstlichen Rat für den interreligiösen Dialog betont, alles, was dem Christentum voranging, werde „als dem Geist eines Landes oder einer Nation näher angesehen, und zwar als eine unkontaminierte Form einer oft matriarchalischen, magischen oder schamanischen Naturreligion in Verbindung mit den Kräften der Natur". Menschen, die nach der Art der alten landwirtschaftlichen Kulturen die Naturzyklen feiern, könnten wieder in den Genuß einer ursprünglichen und gesünderen Religion kommen.
Die New-Age-Anhänger glauben, ein neuer Lehrer oder Messias werde auf die Erde kommen, um eine „Neue Ära" einzuleiten. Die Sehnsucht, welche die Menschen zum New Age anzieht, ist eine authentische Suche nach einer tieferen Spiritualität, nach etwas, was ihr Herz anspricht, sowie nach dem Sinn einer oft verwirrenden und entfremdenden Welt (Päpstlicher Rat für die Kultur und Päpstlicher Rat für den interreligiösen Dialog). Zu den neuheidnischen Praktiken gehören einige mit der Erde, landwirtschaftlichen Traditionen oder den Jahreszeiten verbundene Feierlichkeiten, feministische Spiritualitätsrituale, Magie und Hexerei. Das Wort „Paganismus" kommt aus dem lateinischen Wort pagani, d.h. „Bewohner des Landes": Der Neopaganismus setzt sich der traditionellen „Stadtkirche" entgegen.
Magie wird im New Age als ein Mittel zur Erlangung besonderer Kräfte eingesetzt. Sie gilt als eine Technik, welche es erlaubt, die Welt mangels anderer geeigneter Methoden zu erklären und zu kontrollieren. Okkultismus, Esoterismus und Magie gehören allesamt zum New-Age-Phänomen, da sie die Menschen in die Lage versetzen sollen, göttliche Fähigkeiten zu erlangen.
Channeling: neue Quelle spiritueller Autorität
Die heimatlose New-Age-Spiritualität stützt sich auf das Channeling als neue Quelle der Offenbarung. Es wird dazu eingesetzt, mittels eines übersinnlich begabten Menschen Informationen zu beziehen und in eine Kommunikation mit spirituellen Wesen einzutreten. Das New Age unterscheidet zwei mögliche Quellen übersinnlicher Offenbarung: Einerseits gebe es Geister, Seelen – auch verstorbener Meister - und Engel. Die Kontaktaufnahme erfolge hierbei zwischen einer spirituellen Entität und einem Menschen und liefere Offenbarungen und Informationen aus der spirituellen Welt, die in der normalen oder phänomenischen Welt nicht zu erlangen seien. Andererseits könne auch Kontakt mit dem eigenen Selbst aufgenommen werden, d.h. mit der innersten und übernatürlichen Dimension des Menschen, welche über das normale Bewußtsein nicht erschließbar sei. Dies erfolge durch einen intuitiven Prozeß, der einen göttlichen Zugang zu uns selbst erlaube. Letzere Art von Channeling könne nur von demjenigen gemeistert werden, der einer innereren Selbsterkenntnis fähig sei und mit dem in Kontakt zu treten vermöge, was gewöhnlich als „das Höchste Selbst", „das Gott-Selbst" oder „der innere Lehrer" bezeichnet wird. Dazu müsse der Mensch seine psychischen Fähigkeiten entwickeln, um zu seinem Selbst Zugang zu erlangen.
Die Reise zum inneren Selbst umfasse einen Prozeß der Selbstentdeckung und der Wandlung. Der Mensch müsse seine eigene Realität schaffen. Da sich der Mensch selbst bemühen müsse, diese Metamorphose zu vollziehen, ist Selbsthilfe ein Schlüsselbegriff. Die Medien glauben, gewisse Entitäten, etwa Engel und zum Himmel aufgefahrene Meister, seien durchaus spirituelle Wesen, welche nicht von Gott stammen aber eine spirituelle Autorität besitzen. Zumindest in der Theorie erkennt das New Age keine höhere spirituelle Autorität an als die persönliche innere Erfahrung (Päpstlicher Rat für die Kultur und Päpstlicher Rat für den interreligiösen Dialog). Die New-Age-Anhänger glauben, die Erlösung folge eher aus der Kenntnis als aus dem Glauben.